Dez 232015

 

Martin Klinkner, Abend in Westerland (2015), Digitale Fotografie

Martin Klinkner, Abend in Westerland (2015), Digitale Fotografie

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Kooperationspartner und Interessierte am BDK,

In wenigen Tagen endet ein für uns alle arbeits- und ereignisreiches 2015 – In dem nun so langsam zu Ende gehenden Jahr gab es viele Aktivitäten und Initiativen, um das Unterrichtsfach Kunst “auf Kurs” zu halten – an den Schulen, auf Landes- und auf Bundesebene sowie in der Arbeit der Referate. Um dem zunehmenden Druck seitens der Bildungspolitiker auf die musisch-ästhetischen Fächer entgegenzutreten erarbeiteten die Fachverbände Kunst, Musik und Theater  im “Osnabrücker Dialog” eine gemeinsame Position. Mit Unterstützung des Deutschen Kulturrates wurde die Wichtigkeit der künstlerischen Schulfächer in die bildungspolitische Öffentlichkeit gerückt. Auf dem Weg zu mehr fachpolitischer Gemeinsamkeit in Europa  vereinbarten die drei europäischen Fachverbände BDK, Boekwe und LBG auf dem Kunstpädagogischen Kongress in Salzburg eine länderübergreifende Zusammenarbeit zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz.  Neben fachspezifischen und verbandspolitischen Themen gab es aber auch schwerwiegende und prägende Ereignisse in Europa, Wir waren schockiert über den Terroranschlag auf das islam-kritische Satiremagazin „Charlie Hebdo” . Die Anschläge von Paris und anderswo sorgten für Entsetzen aber auch für deutliche Stellungnahmen, sich einem Terror nicht zu beugen. Hunderttausende Menschen machten sich vor Krieg und Verfolgung auf den Weg nach Europa. Deutschland ist dabei ein hauptsächliches Ziel der Flüchtlinge. Viele werden  bleiben und unsere Gesellschaft mit beeinflussen werden. Die kulturelle Vielfalt wird weiter zunehmen, darauf sollten und müssen wir uns einstellen. Neben Bedenken und Ängsten bietet die Situation aber auch große Chancen. Blicken wir dem zuversichtlich entgegen, helfen wir Menschen in Not – auch 2016. 

Der  geschäftsführende Vorstand des BDK wünscht eine besinnliche Zeit,  friedvolle Feiertage sowie beste Gesundheit, guten Erfolg und viel Glück im neuen Jahr, danke für die Zusammenarbeit!

 

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 Titel BDK Mitteilungen 02_15-1Liebe Leserin, lieber Leser,

 der große Kongress der drei Berufsverbände der Kunstpädagogik aus Österreich, der Schweiz und Deutschland fand Mitte Februar in Salzburg statt. Impressionen und Berichte hierzu finden Sie zu Beginn dieses Heftes sowie auf der Internetseite des BDK: http://www.bdk-online.info.
Studierende der Hochschule Mainz haben in Lehrveranstaltungen des Dozenten Eberhard Kirchhoff fiktive Kampagnen entworfen, um auf die Bedeutung des Kunstunterrichts aufmerksam zu machen. Einige hiervon dokumentieren wir in dieser Ausgabe. Ein Dank an Reinhard Wanzke, Vorsitzender des Landesverband Hessen, der die Anregung hierfür gab und das Briefing mitentwickelt hat!

Wir wünschen eine anregende Lektüre und freuen uns stets über Rückmeldungen und Beiträge der Mitglieder.

 Ihre Redaktion

 

Inhalt

Matthias Rother
„Blinde Flecken“ in Salzburg
Bericht zum Bundeskongress der Kunstpädagogik 2015
4

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Gemeinsam gegen den Fachabbau

Osnabrück_Martin

BDK-Vorsitzender Martin Klinkner erläutert die Position des Fachverbandes

Die drei ästhetisch orientierten Schulfächer Kunst, Musik und Theater sind für die Bildung von Kindern und Jugendlichen wertvoll und bedeutsam. Sie tragen unter anderem zu einem lebendigen kulturellen Leben an den Schulen bei, können Identitätsbildungen unterstützen, Neugierhaltung und Kreativität fördern und bereiten auch auf eine spätere Berufspraxis vor.
Durch verschiedene aktuelle Tendenzen sind sie aber zunehmend in Frage gestellt. U.a. spielen dabei die Schulzeitverdichtung, die Reduktion in der Stundentafel und die an PISA-Vorgaben orientierte Fokussierung auf die so genannten Kernfächer eine gewichtige Rolle. In vielen Bundesländern gibt es Bemühungen, einen “ästhetischen Lernbereich” einzurichten, der bei Senkung der Qualität in den Kompetenzbereichen der einzelnen Fächer auch eine gewisse inhaltliche Beliebigkeit bedeuten kann. Zunehmend werden “Fachfremde” in diesem Bereich eingesetzt. Die weitestgehend drittmittelfinanzierte “kulturelle Bildung” scheint Einsparungspotentiale zu bieten. Statt fruchtbare Kooperationen zwischen Schule und außerschulischen Institutionen zu fördern, wird über Alternativen zu einem aufbauenden schulischen Fachunterricht nachgedacht. Stiftungen mit enormen finanziellem Budget treten besonders hervor, initiieren in der Regel aber allenfalls “Leuchturmprojekte”. In der Breite der Schullandschaft wirken sie nicht.

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Zum bundesweiten BDK-Aktionstag

“Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir” Der römische Schriftsteller und Philosoph Seneca (4 v. Chr. bis 65 n. Chr.) hatte schon früh erkannt, dass die Schule nicht unbedingt dazu geeignet ist, junge Menschen auf  das Leben vorzubereiten. Heute scheint diese Erkenntnis besonders zu greifen, ja, verschärfend kann konstatiert werden, dass Schülerinnen und Schüler eher für bessere PISA-Werte lernen müssen. Der Widerstand gegen das Bildungsdiktat, das die OECD mit PISA ausübt, vernetzt sich zunehmend. Die Gesellschaft für Bildung und Wissen GBW hat  einen offenen Brief  an PISA-Chef Andreas Schleicher formuliert, der die verheerenden Folgen benennt, die notwendigen kritischen Fragen stellt und Vorschläge zur Besserung macht.
Nach der neuesten Sonderauswertung im internationalen PISA-Vergleich sind 15-Jährige in Deutschland mit dem Lösen von Alltagsproblemen überfordert. Im Test war kreatives “Um-die-Ecke-Denken” gefordert. Abgesehen davon, dass die Bedienung eines Fahrkartenautomaten (Testbeispiel) auch andere Altersgruppen häufig überfordert, wäre hier vielleicht eine Forderung an verbessertes Display-Design und selbst erklärende Funktionalität anzuführen. Bemerkenswert ist aber auch, dass im Zusammenhang der Testergebnisse kein Wort über das Schulfach Kunst verloren wird, in dem ja die Fähigkeit des Querdenkens in vielen Bereichen entwickelt wird. Gerade der Kunstunterricht beschäftigt sich mit kreativen Problemstellungen, mit ungewohnten Sehweisen, mit dem Ausloten mehrerer Lösungswege, mit komplexen Gestaltungsfragen und wird doch in der vorherrschenden Sicht häufig als Begabungs-, Entlastung- und Dekorationsfach gesehen.
Das ist zu kurz gedacht und auf die Zukunft ausgerichtet fatal. Der Kunstunterricht in der Schule ist vielfältig und legt die Basis für das Verständnis von Bildkultur und grundlegende gestalterische Fähigkeiten, Schlüsselkompetenzen werden hier entwickelt. Professionell ausgeführter Kunstunterricht von gut ausgebildeten KunstpädagogInnen ist deshalb wichtig, Einschränkungen und Einsparungen im Bereich der ästhetischen Bildung sind nicht zu akzeptieren. Der BDK-Aktionstag am 21. Mai ist also mehr als notwendig, um dieses in der Öffentlichkeit deutlich zu machen. Ausführlich und treffend hat es auch Clemens Höxter vom BDK-Referat Kulturelle Bildung  auf dem Portal “Kultur bildet” formuliert.

Werner Fütterer

Schlafen

Die Wände bleiben leer, das Material wird zusammengepackt. Für den Aktionstag am 21.Mai will der BDK deutlich machen, dass es ohne guten Kunstunterricht nicht geht. (Foto: O.Kreyßing)

Bundesweite konzertierte BDK-Aktion am 21. Mai 2014
im Rahmen der Internationalen Woche der Kulturellen Bildung 2014 (UNESCO)

KarteAufgrund der prekären Situation des Faches Kunst ruft der BDK sämtliche Schulen aller Schulformen dazu auf, an einer bundesweiten Aktion teilzunehmen. Ziel ist es, die Öffentlichkeit darauf aufmerksam zu machen, dass fachlich fundierter Kunstunterricht lange schon keine Selbstverständlichkeit mehr ist. An der Basis beginnend möchte der BDK ein Bewusstsein für diesen Notstand schaffen: Bei den Schülerinnen und Schülern, den Kolleginnen und Kollegen anderer Fachschaften, den Schulleitungen und nicht zuletzt bei den Eltern. Wichtig ist auch eine Präsenz in der Presse.

Als visueller Appell soll eine Zukunft deutlich vor Augen geführt werden, in der ästhetisch fundierte Bildung in der Schule nicht mehr garantiert ist. Der BDK bittet alle Mitglieder diese bundesweite Aktion des BDK an den jeweiligen Nachbarschulen bekannt zu machen bzw. Argumentationspapiere an die Kunstfachschaften anderer Schulen weiterzuleiten.  Der BDK hat auf seiner Herbsttagung 2013 in einer Arbeitsgruppe Vorschläge zum Aktionstag erarbeitet.

Pressemitteilung des BDK-Bundesvorstands (PDF)

In den BDK-Mitteilungen  1-2014 sind zwei Texte erschienen, die hier zur Information und Argumentation als Download bereitgestellt sind.

Elfi Alfermann: Zur Situation des Schulfaches Kunst 

 Martin Klinkner/Rolf Niehoff: Deshalb Kunstunterricht!

 

AUF DEM SPRUNG – Positionen zwischen Kunst und Pädagogik
Am 01. und 02.11.2013 wird an der HfbK Hamburg die zweite bundesweite Tagung der Studierenden der Kunstpädagogik stattfinden. Die Tagung wird von Studierenden der HfbK Hamburg und der UdK Berlin kooperativ veranstaltet und ist offen für interessierte Studierende aller Bundesländer. Im Studium der Kunstpädagogik bewegt man sich in einem spannungsreichen Feld zwischen Kunst, Wissenschaft und Vermittlung. Wie man sich in diesem komplexen Gefüge positioniert, ist abhängig von unzähligen Faktoren: Individuelle Neigungen nehmen dabei ebenso Einfluss wie die bundesweit unterschiedlichen Studiengänge. Eine entsprechende Vielfalt in der Auslegung und Praxis des Faches ist die Folge. Und: Wie gelingt ein produktiver Dialog von künstlerischer Freiheit und pädagogischem Anspruch innerhalb der Grenzen von Bildungsinstitutionen? Weitere Infos unter:

# Info/download: Call for papers


HANDELN IM UNTERRICHT
Bezugsfelder der Kunstpädagogik zwischen Kunstpraxis und Kunstwissenschaft. Am 30. September 2013 findet an der Uni Paderborn der Kunstpädagogische Tag des BDK NRW statt.
Im Zentrum des Tages steht das Handeln der Schülerinnen und Schüler im Kunstunterricht. Ihr Handeln umfasst einmal die Praxis gestalterischer und künstlerischer Prozesse und zum anderen die rezeptive Auseinandersetzung mit künstlerischen Phänomenen und Bildern aus der aktuellen und historischen Kultur. Doch welche Arten und Weisen gibt es, den Anspruch der Verknüpfung von Tun und Denken, von Auge, Hand und Geist, von Produktion, Rezeption und Reflexion, von Kunstwissenschaft und Kunstpraxis einzulösen? In Vortrag und Workshops wird dieser Frage intensiv nachgegangen.

Info-Website: Programm und Anmeldung

SERIE IN DER KUNST
Kunstpädagogischer Tag in Hannover am 30. August 2013. Gerade die Künste zeigen, wie vielfältig sich das Prinzip des Seriellen ausdrücken kann. Die “Verstärkung” eines Bildinhaltes durch die Serie wird in Hannover in Vorträgen und Workshops vielschichtig betrachtet und erfahren. Die Kooperationsveranstaltung wird vom BDK, Fachverband für Kunstpädagogik und der Hochschule Hannover durchgeführt und findet in der Fakultät III, Design und Medien auf dem Expo-Plaza 2 statt.

# Info/download: Tagungsprogramm


Neue Studiengänge im Kontext kultureller Bildung: Der BDK-Vorstand wird sich dieser Thematik annehmen. Sarah-Lisa Graham und Martin Klinkner auf der Sitzung des gV in Passau

Lehramtsausbildung im Fokus kultureller Bildung

Die kulturelle Bildungslandschaft ist in Bewegung.  Der Neben ehrgeizigen “Leuchturmprojekten” und vielerlei kulturell eingefärbten Aktionen und Förderprogrammen, die natürlich auch Einzug in die Schulen gehalten haben, werden zunehmend auch  im Ausbildungsbereich der Kunstpädagogik Veränderungen sichtbar. Auf die Bestrebungen, Studiengänge für Kunstpädagogik und Kunstvermittlung zu entwickeln, lohnt sich durchaus ein Blick.
http://kunstpaedagogik.userweb.mwn.de/Infotag.pdf
“Was kann Schule von Kultur lernen?”  wird in einem  ”bundesweit einmaligem Weiterbildungsmasterkonzept zur Professionalisierung von Lehrkräften an Schulen” gefragt.
http://www.uni-marburg.de/aktuelles/news/2013b/masterstudiumkulturellebildung

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"Kunstunterricht gut stärken"

Auf Beschluss der UNESCO findet von 20. – 26. Mai 2013 zum zweiten Mal die International Arts Education Week statt.
Ziel dieser Woche ist es, das Bewusstsein für die Bedeutung von kultureller Bildung, Kulturvermittlung und Kunsterziehung zu fördern sowie die Sichtbarkeit all jener, die sich dafür engagieren, zu stärken. Konkret soll dies über weltweit, zur gleichen Zeit stattfindende Präsentationen von Projekten und Aktivitäten erreicht werden. Die verstärkte Zusammenarbeit zwischen den AkteurInnen und Interessierten aus diesem Bereich ist das erklärte Ziel. Einige Beispiel internationaler Aktionen seien hier präsentiert. (Infotext UNESCO Österreich). Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass auf der deutschen UNESCO-Seite wenig darüber zu finden ist, hier wird die Kultur stärker herausgestellt.

“Kultur gut stärken”

Kulturelle Bildung und kulturelle Vielfalt sichtbar werden lassen. Im Jahr 2001 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen den 21. Mai zum “Welttag der kulturellen Vielfalt für Dialog und Entwicklung” ausgerufen, um den Beitrag von Kulturschaffenden und Künstlern für den Dialog der Kulturen zu unterstreichen. Im Zeitraum vom 18. bis 26. Mai stattfinden – so wird aus dem Aktionstag eine ganze Aktionswoche für kulturelle Vielfalt in Deutschland. Kulturvereine, Initiativen, Künstler, Künstlergruppen, Schulen und weitere Akteure der deutschen Kulturlandschaft sind eingeladen, den UNESCO-Welttag der kulturellen Vielfalt zu gestalten und so zum Teil einer Bürgerbewegung für kulturelle Vielfalt zu werden. Infos: Kulturstimmen.de